Wir schreiben das Jahr 2101. Wer heute vor der Voerderstraße 30 steht blickt auf ein Gebäude aus der Vorkriegszeit. Die blassgelbe Fassade hebt sich von den sterilen Skyscrapern aus Metall und Glas ab. Kaum einer ahnt, dass innerhalb der historischen Mauern Scifi Realität wurde.
Obwohl die Schülerzahl statistisch gleich geblieben ist, wirken die Gänge wie leer gefegt. Physische Präsenz ist hier schon lange kein Muss mehr. Gedankengesteuerte Drohnen und Avatare der Schüler, die sich aus ihren Wohnkapseln zuschalten, surren in den Klassenräumen. Auch die Lehrer arbeiten fast vollständig im vertrauten Home-Office.
In anderen Räumen unterrichten Hologramme und Datenströme andere Bildschirme und Weiterleitungen. Die Schule ist Teil eines neuen Systems, das daran arbeitet Wissen über Synapsen-Links einfach an die Lernenden zu übertragen.
Auf Überforderung und Depressionen reagieren empathische KIs mit Seelsorge und warmen, aus Nullen und Einsen bestehenden, Worten. Zugeschnittene Playlists für den genauen Gefühlsstand einer Person, gedimmtes Licht, Online-Kommunikation sind die besten Heilmittel, denn das Haus verlassen muss man nicht.
Künstliche Intelligenz ist schon lange kein Neuland mehr, sie ist festintegriert in den Alltag.
Statt des veralteten Klassen- und Stufensystems werden die Lernenden jetzt von ihrer persönlichen KI gefördert und gefordert. Erst wenn ein gewisser Lernstand erreicht ist, steigt man im Wissenslevel auf. Generell wird bereits seit längerer Zeit debattiert, ob Lehrkräfte noch benötigt werden, oder das nicht auch so ein Relikt der Vergangenheit sei.
Aber schließlich haben die Leute vor 100 Jahren auch noch an Unterricht ohne Handys, Tablets und KI festgehalten.