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Durch das 125-jährige Jubiläum, das wir an unserer Schule dieses Jahr feiern, fragt man sich als Schüler oder Schülerin hier bestimmt manchmal, wie es früher denn hier so abgelaufen ist. Anlässlich des Jubiläums und um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, haben wir einen ehemaligen Schüler des THGs, René Krieg, interviewt. René hat 1996 an unserer Schule sein Abitur gemacht – genau wie sein Vater schon in den 1950er Jahren. Hier erfahren wir etwas über den Schulalltag von damals, was er aus der Zeit an unserer Schule mitnimmt und welche Ratschläge er für heutige Schülerinnen und Schüler hat.

Wie sah ein typischer Schultag von Ihnen aus?
„In der Oberstufe waren es in der Regel immer sechs Stunden. Die Grundkurse hatten in der Regel drei Stunden und alle Leistungskurse sechs. Sport war meistens nachmittags, und so Exotenfächer wie Literatur auch. In der Regel waren es dann zwei bis drei Nachmittage pro Woche.“

Was ist Ihre schönste Erinnerung an Ihre Schulzeit hier?
„Die schönste Erinnerung ist schwierig. Sicherlich sind die Abifeier und die Klassenfahrt nach Hamburg ein paar schöne Erlebnisse. Das ist so das Wesentliche.“

Hat sich das THG seit Ihrer Schulzeit sehr verändert?
„Ja, durch den Neubau des NaWi-Trakts zum Beispiel, rein vom Äußerlichen. Der Baubeginn war zu meiner Abiturzeit. Das ganze Dalton-System hat natürlich auch den Schulalltag stark verändert. Bei uns damals während der Schulzeit gab es so etwas wie bilingualen Unterricht oder Dalton schlicht und ergreifend einfach nicht. Es gab nur Gymnasium, fertig und aus.“

Gibt es eine lustige oder besondere Geschichte aus Ihrer Schulzeit, die Sie erzählen möchten?

„Ein Lehrer aus meinem Jahrgang hat mal vermerkt, dass zwei Schüler angeblich mit Wackersteinen geschmissen hätten, wobei sie in Wahrheit Papierkügelchen gegen die Tafel geschossen hatten. Absolute Dramatisierung. Der Lehrer war aber auch dafür bekannt, dass er einen Wasserstoffballon in dem damaligen kleinen Chemiehörsaal (heute die Kunsträume im Altbau) mit einem Flintstein hat explodieren lassen – ein bisschen zu nah an der Decke, was zu einer kreisförmigen Einfärbung an der Decke führte. Das war mit Sicherheit so eine kleine Anekdote. Dann gab es auch noch unseren Biolehrer, der auch den Unterricht vom Bruder einer Mitschülerin unterrichtete. Der kleine Bruder hatte dann bei ihm im Unterricht Hühner seziert und kam dann in der Fünf-Minuten-Pause in unseren Unterricht mit einem Hühnerherz in der Hand und meinte: „Schau mal!“.“

Welchen Rat würden Sie heutigen Schülern geben?
„Es ist ein bisschen schwierig, es so zu formulieren, dass es nicht altbacken und ein bisschen arrogant klingt, aber setzt euch auf den Arsch, lernt den Kram. Es ist vielleicht nicht wichtig, das zu wissen, aber den Abschluss richtig hinzukriegen, das ist wichtig. Das richtige Lernen lernt ihr sowieso später nochmal. Viel mehr Energie darauf verwenden, das Lernen zu lernen, als jetzt die Hausaufgaben oder den eigentlichen Stoff. Irgendjemand hat mal gesagt: „Wenn ich zwei Stunden Zeit habe, einen Baum zu fällen, schärfe ich anderthalb Stunden meine Axt.“ Ihr sollt Werkzeuge entwickeln, um besser voranzukommen.“

Wie hat die Schulzeit hier Ihren weiteren Lebensweg beeinflusst?
„Sicherlich hat es eine Basis gelegt für alles Weitere. Ich bin mir nicht sicher, ob die Schulzeit am THG jetzt so besonders war. Grundsätzlich ist es ja so, dass jedes Gymnasium einen festen Satz an Wissen vermittelt. Ich glaube, der wesentliche Knackpunkt ist, dass man durchaus soziale Fähigkeiten mitbekommen hat, und das war auch zum Beispiel sehr deutlich, wenn man jetzt Koop-Kurse mit dem EBGS oder dem OHG hat. Ich hatte beides: einen Leistungskurs am EBGS und einen am OHG. Da sieht man schon einen Unterschied in den Kulturen. Gleiche oder relativ gleiche Informationssätze, aber die Kultur ist total anders.“

Beschreiben Sie Ihre Schulzeit in drei Worten. Warum haben Sie diese Worte ausgesucht?
„Ich glaube in Summe: behütet. Einfach, weil das Gymnasium nun mal auch ein deutlicher Unterschied zu vielen anderen Einflüssen ist. Unauffällig und unaufgeregt.

Viele Dinge, die heute selbstverständlich sind, also dass die Eltern angerufen werden und so, das hat man damals einfach alleine geregelt.“

Haben Sie noch etwas, was Sie dem Interview gerne beisteuern würden?
„Wie gesagt, ich bin ja zweite Generation am THG. Mein Vater ist ab ungefähr 1950 auf das THG gegangen. Das ist insofern lustig, weil damals die Klasse später von einem Lehrer übernommen wurde, den wir dann später in Geschichte hatten. Die Klasse meines Vaters war die erste Klasse des Lehrers und wir waren sozusagen die letzte. Es ist immer spannend zu hören, wie es zu den Zeiten meines Vaters ablief. Damals wurde ein Lehrer versetzt, weil er eine Schülerin geschlagen hat und vergessen hat, den Ring auszuziehen, und dann hatte sie eben eine etwas größere Wunde, die man nicht so einfach verstecken konnte. Das war bei meinem Vater komplett üblich damals. Körperliche Züchtigung war in den 50ern ja noch normal. Da hat man auch mal mit dem Rohrstock einen auf den Hintern gekriegt, die Jungs auf die Finger und die Mädchen auf den Hintern, wenn man die Hausaufgaben nicht gemacht hat. Bei mir habe ich es, glaube ich, niemals erlebt, dass ein Lehrer wirklich handgreiflich wurde. Wie gesagt, wir haben schon so manchen Blödsinn gemacht.“

Der Artikel wurde von Ered Thielhorn verfasst